Was ist ADHS/POS
ADHS steht für Aufmerksamkeits-Defizit-Störung mit oder ohne Hyperaktivität. und entspricht der amerikanischen Bezeichnung AD(H)D, welche im DSM-IV Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders der American Psychiatric Association verankert ist und sich weltweit durchzusetzen scheint. Die Hauptmerkmale einer ADHS sind Unaufmerksamkeit und Impulsivität, mit ev. Hpyer- oder Hypoaktivität.
POS steht für Psychoorganisches Syndrom und ist eine Schweizerische Bezeichnung, welche bei der schweizerischen Invalidenversicherung (IV) als Geburtsgebrechen anerkannt und daher unterstützungsberechtigt ist, sofern die Diagnose vor dem 9. Geburtstag gestellt wird und bereits eine anerkannte, medizinische Behandlung eingeleitet wurde. Der Verdacht auf ein POS besteht, wenn die meisten der untenstehenden Symptome über eine längere Zeit (oft ab Geburt) in einer überdurchschnittlichen Intensität zu beobachten sind:
- Wahrnehmungsstörungen beeinträchtigen die Verarbeitung der gehörten und gesehenen Reize sowie Tast- und Bewegungssinne.
- Aufmerksamkeits- &Konzentrationsstörungen wie Ablenkbarkeit, Vergesslichkeit, rasche geistige Ermüdung oder ungenügende serielle Merkfähigkeit.
- Impulsivität: mangelnde Selbstkontrolle, Frustrationsintoleranz.
- Hyper- oder Hypoaktivität: unruhig und rastlos (Zappelphilipp) beziehungsweise still, verträumt, in sich gekehrt, langsam, apathisch.
- Koordinationsprobleme in der Grob- und/oder Feinmotorik, schlechtes Körpergefühl, unkontrollierte Bewegungen, Raumorientierungsprobleme.
- Schulschwierigkeiten: mangelnde Daueraufmerksamkeit und Merkfähigkeit, Unruhe, Legasthenie und/oder Dyskalkulie, ungeschickt beim Schreiben, Basteln und/oder Sport.
- Schwierigkeiten im Sozialverhalten. Erschwertes Einfügen und Anpassen, nicht dem Alter entsprechendes Verhalten.
- Unreife im emotionalen und sozialen Bereich sowie im Arbeitsverhalten.
- POSitiv: gute, oft sogar überdurchschnittliche Intelligenz, sehr sensibel, begeisterungsfähig, offen, spontan, fantasievoll, originell, ausdauernd bei geliebten Tätigkeiten.
Jedes Kind ist einzigartig, auch jedes betroffene Kind. Störungen treten daher in verschiedenen Bereichen, in unterschiedlichem Ausmass und in allen möglichen Kombinationen auf. Nicht alle der obenstehenden Auffälligkeiten sind deshalb bei jedem ADHS/POS-Kind (gleich stark) zu beobachten. Das vielfältige Erscheinungsbild erklärt die verschiedenen Bezeichnungen und Therapiemassnahmen.
Wird ein Kind weder verstanden noch unterstützt, werden Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen des Kindes massiv verletzt und es besteht die Gefahr von seelischen und körperlichen Folgeerkrankungen.
Als Ursachen gelten eine neurobiologische Funktionsstörung aufgrund genetischer Faktoren sowie Schädigungen des Gehirns, z.B. durch Sauerstoffmangel bei der Geburt. Als nicht gesichert gelten Allergien sowie Rauchen, Alkohol, Drogen während der Schwangerschaft. Ein ADHS/POS kann nicht durch Erziehungsfehler oder ungünstige Familienverhältnisse entstehen, es hat eine organische Ursache. Die Symptome können allerdings durch entsprechenden Umgang günstig beeinflusst oder verschlimmert werden.
5 – 10 % der Kinder sind in einem Ausmass betroffen, dass ihre persönliche und schulische Entwicklung gefährdet ist. Es ist sehr wichtig, dass die Störung möglichst früh erkannt wird, damit unterstützende Massnahmen eingeleitet werden können.
Die Abklärung erfolgt durch erfahrene Kinderärzte/-innen und Kinderpsychiater/-innen. Die Diagnose basiert auf der Lebensgeschichte (Beobachtungen von Eltern und anderen Bezugspersonen), verschiedenen Tests sowie Beobachtungen durch die abklärende Fachperson. ELPOS vermittelt gerne entsprechende Adressen.
ADHS/POS-Kinder verhalten sich anders
Als Baby
fallen sie meist schon auf, sie haben z.B. Trink- und Schlafschwierigkeiten, sind unruhig und angespannt, schreien viel und sind kaum zu beruhigen. Sie lassen sich ungern wickeln, Körperkontakt scheinen sie nicht besonders zu mögen. Die ruhigen Kinder sind sehr passiv, bewegen sich wenig bis gar nicht, schlafen überdurchschnittlich viel, haben keine Eigeninitiative.
Als Kleinkind
können die Kinder kaum allein spielen, brauchen ständige Präsenz, „springen" von einem Spiel zum andern. Sie sind unausgeglichen und reizbar, haben extreme Trotzphasen und Wutausbrüche, überborden auch in der Freude. Basteln und Zeichnen machen ihnen wenig Freude und mit anspruchsvolleren sportlichen Tätigkeiten wie z.B. Ballspielen oder Velofahren tun sie sich oft schwer. Ihre Spiele sind hektisch und unkontrolliert. Sie sind schwierig zu lenken, sämtliche Erziehungsmassnahmen scheinen wirkungslos. Bald schon zeigen sich auch Schwierigkeiten mit anderen Kindern: Aufgrund ihres irritierenden Verhaltens werden sie abgelehnt, ausgeschlossen, geplagt und reagieren ihrerseits mit Aggressivität oder Rückzug.
In der Schule
verschärfen sich die Probleme. Mit ihrer Unruhe und Impulsivität fallen sie auf, strapazieren Lehrperson und Mitschüler/-innen. Lernschwierigkeiten aufgrund von Konzentrations- und/oder Wahrnehmungsstörungen machen ihnen oft zusätzlich das Leben schwer. Trotz grosser Anstrengungen können sie oft nicht mithalten. Dies führt zu Schulversagen und/oder Schulverweigerung. Sie sind wenig beliebt, weder bei ihren Mitschülern, noch bei den Lehrpersonen und werden nicht selten gemobbt. Die Probleme können sich so zuspitzen, dass ein Schulausschluss droht, bzw. eine Sonderschule notwendig wird.
Mit der Pubertät
schwächt sich die Hyperaktivität zwar ab, was aber bleibt sind innere Unruhe, Impulsivität, Konzentrationsprobleme sowie eventuelle Lerndefizite. Wurde die Problematik nicht erkannt, das Kind weder verstanden noch unterstützt, machen sich nun auch massive sekundäre Symptome bemerkbar. Der Jugendliche ist demotiviert und verunsichert, findet keinen Anschluss bei Gleichaltrigen, die Berufsaussichten sind schlecht, Suchtverhalten und Delinquenz stellen eine grosse Gefahr dar. Mit einer solchen Hypothek ist der Start ins Erwachsenenalter schwierig. |